Ein Abend voller Genuss und Regionalität

Slow Food Dinner Tecklenburger Land in der „Werkstatt“ in Mettingen. Ein Bericht von Jan Uphoff, Ibbenbürener Volkszeitung:

Wer an diesem Abend den großen Saal der „Werkstatt“ an der Sunderstaße in Mettingen betritt, sieht zwei lange, sehr hübsch dekorierte Tafeln vor sich. Jeder Platz an den gedeckten Tischen ist besetzt. Die Gäste sind gespannt auf „Slow Food“ und regionale Küche. Diese setzt bei den Gerichten auf nachhaltige und regionale Zutaten und Genuss. Ein Gegenentwurf zum „Fast Food“. Die Besucherinnen und Besucher werden zunächst mit einem Aperitif empfangen. Schon das Begrüßungsgetränk - der „Streuobstwiesenapfelsaft Tecklenburger Land“ - kommt quasi von nebenan und ist in vielen Supermärkten vor Ort vertreten.

Dann ergreift der Mann, der die Idee für das Event hatte, das Wort. Rainer Lagemann ist der ehrenamtliche Leiter der Regionalgruppe Münster von „Slow Food Deutschland“ und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL). „Slow Food“ ist ein Verein, der die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die handwerkliche Fischerei und die Lebensmittelproduktion im Einklang mit den Ökosystemen unterstützt. Der Verein teilt sich in zahlreiche so genannte „Convivien“, auf, Gruppen, die regional angesiedelt sind und lokale Veranstaltungen wie in der Mettinger Werkstatt anbieten. Das „Tecklenburger Land -Dinner“ haben Lagemann und seine Stellvertreterin Maria Büning in eng

er Zusammenarbeit mit Edgar Klinger von der Regionalgruppe Osnabrück und der ANTL geplant.

Die Idee zum Regional-Dinner
„An einem konspirativen Nachmittag haben wir uns gemeinsam in Saerbeck getroffen“, berichtet Edgar Klinger, wie es zu dem Dinner gekommen ist. „Unsere Ideen wurden bei der Werkstatt auch verstanden“, fügt Lagemann hinzu. An dem Punkt räumt Küchenchef Enrico Domigalle jedoch ein: „Als wir die Mail gesehen haben, haben wir erstmal weitergeblättert.“ Denn ein Tecklenburger-Land-Dinner habe sich das Küchenteam zunächst sehr kompliziert vorgestellt. „Regionalität heißt ja auch, das zu nehmen, was im Moment da ist“, erklärt der Koch. Am Ende sei es einfacher als gedacht, aber dennoch herausfordernd gewesen.

Als sich das Team rund um den Küchenchef dann allerdings ein Menü erdachte, das sich ausschließlich regionalen Zutaten zusammensetzt, wuchs schnell die Zuversicht. „Was wir gesehen und gehört haben, machte Appetit“, erinnert sich Lagemann. „Man kann auch mit regionalen und saisonalen Produkten leckere Sachen kochen. Viele halten das für eine große Herausforderung - wir zeigen, dass es geht.“

„Man kann auch mit regionalen und saisonalen Produkten leckere Sachen kochen.“

Rainer Lagemann
Insgesamt werden an diesem Abend sieben Gänge serviert, acht sogar, wenn man das Werkstatt-Hausbrot, das als erstes serviert wird, mitzählt. Danach folgen ein Karottensalat, Petersilienwurzelcreme, Lammzungentatar, Forelle, Hühnermagen und Tecklenburger Rind. Abgerundet wird der Abend dann mit einer Apfeltarte aus regionaler Herstellung mit Sauerrahmeis.


„Viele Traditionsgerichte wie die Lammzunge gehen verloren, weil die Nachfrage beim Fleischer heute einfach nicht mehr da ist“, erläutert Küchenchef Domigalle bei der Vorstellung des Menüs. Die Speisenfolge enthalte zwar auch vegetarische Alternativen. Das Team habe sich aber bewusst für „relativ viel Fleisch“ entschieden, um die kulinarischen Traditionen des Tecklenburger Landes zu wahren, ergänzt Rainer Lagemann.


Die Qualität des Fleisches ist durch die enge Zusammenarbeit mit Betrieben vor Ort und die ANTL, die unter anderem für die Lammzunge verantwortlich ist, garantiert. Weitere Partner sind die Forellenzucht Laggenbeck, der Bioland-Hof Jaschinski und der Frecklinghof Tecklenburg.

Während die ersten Gänge serviert werden, erklärt Lagemann weiter die Philosophie von „Slow Food“, das sich als Gegenbewegung zu Convenience-Food (konventionelle Lebensmittel) und Massentierhaltung versteht. „Viele Restaurants denken sich: Ich muss ja das und das auf jeden Fall anbieten - Ne, muss man nicht, man kann seine Kunden auch kulinarisch erziehen“, meint Lagemann. Motto: „Ich mache es trotzdem, auch wenn es nicht modern ist.“


Positive Resonanz bei den Gästen
Genau das kommt an diesem Abend bei den Gästen an. Ein Gast berichtet begeistert: „Das ist schon was Besonderes heute. Wer hat da sonst so oft die Zeit für. Ich sage daher auch nichts gegen Convenience-Food, was man sonst oft isst, alles hat daher seine Berechtigung.“

Während Chefkoch Enrico Domigalle den nächsten Gang vorbereitet, erklärt er, wie aus den vielen Ideen von „Slow Food“ ein ganzes zusammenhängendes Menü wurde. „Die Umsetzung kam vom gesamten Team und in enger Absprache mit ‚Slow Food‘. Manchmal fällt dir auch in ruhigen Momenten ein: Genau das muss ich machen. Aber alles steht und fällt natürlich mit dem Küchenteam.“ Dann widmet er sich der Vorbereitung des Hühnermagens, der bereits auf der Küchenanrichte liegt und jeden Moment zu den Tischen gebracht werden soll.

Bis 23.30 Uhr folgen noch drei weitere Gänge, jeweils mit spannenden Geschichten über regionale, nachhaltige Landwirtschaft. Zudem hatten die Gäste nicht nur Gelegenheit, die Gerichte zu probieren, sondern auch die Möglichkeit, sich über die regionale Küche auszutauschen.

Impressionen aus der regionalen Küche:

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Chefkoch Enrico Domigalle bereitet den nächsten Gang vor ...

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Das Menü für den Abend ...

63ade86e-60b8-4a0e-92f6-91c95fbea784.jpgRegionalleiter Rainer Lagemann stellt „Slow Food Deutschland" vor. | Foto: Jan Uphoff

Der Bericht in der IVZ:

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