Obstwein strebt zu Höherem
Obstweine haben einen schlechten Ruf. Der Grund ist einfach. Die meisten von uns haben ihre Erfahrungen mit den Produkten von Hobbywinzern gemacht. Viel zu süß, zu hohe oder zu niedrige Säuregehalte, schlecht vergoren mit Zufallshefen, da kann selten etwas Gutes dabei herauskommen.
Aber es gibt keinen Aspekt menschlichen Handelns, der nicht schon kreative Köpfen und ausdauernde Hände zu Spitzenleistungen verführt hätte. So ist es auch hier.
Verwöhnt sind wir ja schon von den überaus vielfältigen Obstveredelungen aus der Schwäbischen Alb, insbesondere aus der Werkstatt Geiger, mit dem mittlerweile bekannten Schaumwein aus der Champagner-Bratbirne.
Aber so weit müssen wir gar nicht gehen. Auch die Quitte findet mittlerweile ihre Meister.
Wir trafen uns Anfang Juni zunächst in Dengkofen im Cafe und Restaurant von Cornelia Buchner. In einem zweistöckigen Rundbau aus massiven Baumstämmen ist ein ganz spezieller Raum entstanden. Das Lokal ist – und das ist einmalig im Landkreis Dingolfing-Landau – bio-zertifiziert und besticht durch sein besonderes Ambiente.
Dann ging es einige Kilometer die Aitrach abwärts nach Hüttenkofen. Dort erklärte uns Josef Huber in seiner an ein (immer warmes) Schwimmbad angelehnten Kelterei die einzelnen Schritte der Quittenweinherstellung.
Die Quitte bietet dabei einige besondere Herausforderungen. Sie ist sehr hart und verlangt besonders robuste Zerkleinerungsmaschinen. Die Schale ist haarig und wachsig, beides stört im späteren Wein. Auch ist die Maische sehr säurehaltig. Herr Huber schafft es durch mehrere Gärprozesse den gewünschten Säuregrad auf etwa 6% zu reduzieren. Quittenwein ist ein echtes Slow Food Produkt, mindestens ein Jahr braucht er zur Reife.
Etwa 500m oberhalb Hüttenkofen, am westlich orientierten Hang, liegt die Quittenplantage. Als Baum ist die Quitte nicht sehr anspruchsvoll. Sie verträgt Trockenheit, Spätfrösten begegnet sie durch eine späte Blüte und sie ist nicht auf Bienen angewiesen. Nach 25 Jahren aber muss sie komplett verjüngt werden.
Bei Quiche, Schmalzbrot und Kuchen konnten wir dann endlich den Wein verkosten.
Bestechend war schon einmal die Bernstein-Farbe.
Der Geruch der Quitte ist vorhanden, aber dezent. Mit dem halbtrockenen Charakter des Weins hat Josef Huber ins Schwarze getroffen, das sah man den positiv überraschten Gesichtern in jedem Fall an.